Allgemeines
Torwarttalente entdecken und fördern
So arbeitet das DFB-Talentförderprogramm

Gute Torwartausbildung beginnt nicht erst mit spektakulären Paraden. Im DFB-Talentförderprogramm lernen junge Torhüter*innen, ihren Körper zu beherrschen, Spielsituationen zu lesen und mutig Entscheidungen zu treffen. Ein Blick auf die neue Torwartförderung.
Was braucht ein gutes Torwarttalent?
Wer an Torhüter*innen denkt, denkt oft zuerst an gehaltene Bälle, Paraden und starke Reflexe. Für eine langfristige Entwicklung ist aber mehr entscheidend: Wie bewegt sich ein Kind? Wie sicher ist es im Umgang mit dem Ball? Erkennt es früh, was im Spiel passiert? Und traut es sich, Verantwortung zu übernehmen?
Die Torwartförderung im DFB-Talentförderprogramm setzt deshalb breit an. Sie soll jedem Torwarttalent die Chance geben, sich zu entdecken und gezielt gefördert zu werden. Dabei geht es nicht um ein starres Ausbildungsprogramm, das überall identisch abläuft. Die Förderung wird an die regionalen Bedingungen und an die Qualität und Größe der jeweiligen Trainingsgruppe angepasst.
Der Grundgedanke ist klar: Die Zeit im DFB-Talentförderprogramm soll vor allem Lernzeit sein – und nicht lediglich Zeit, in der Übungen abgespult werden.
Mehr als Bälle halten: Die vier Bausteine der Ausbildung
Die Torwartausbildung im DFB-Talentförderprogramm ruht auf vier eng miteinander verbundenen Bausteinen:
einer torhüter*innenorientierten Ballschule,
dem Erlernen und Verinnerlichen der Torwarttechniken,
der Verbesserung der torwarttaktischen Entscheidungsfähigkeit,
der Entwicklung von Persönlichkeit und Präsenz.
Diese Bereiche greifen ineinander. Wer technisch sicher ist, kann schneller und besser entscheiden. Wer Spielsituationen versteht, kann seine Technik gezielter einsetzen. Und wer mutig auftritt und Verantwortung übernimmt, kann seine Fähigkeiten im Spiel wirksam machen.
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1. Die torhüter*innenorientierte Ballschule: Die Basis für Bewegung und Ballgefühl
Am Anfang steht eine breite Bewegungsausbildung mit Ball. In der torhüter*innenorientierten Ballschule verbessern die Kinder ihr Körper- und Ballgefühl und entwickeln wichtige koordinative Fähigkeiten. Die Übungen sind nicht nur für Kinder gedacht, die bereits regelmäßig im Tor stehen. Auch Feldspieler*innen können die Position zwischen den Pfosten erleben. Das eröffnet die Möglichkeit, Torwarttalente früh zu entdecken, ohne Kinder vorschnell auf eine einzige Position festzulegen.
Gerade in jungen Jahren ist diese breite Basis wichtig. Beweglichkeit, Koordination und ein sicherer Umgang mit dem Ball erleichtern später das Erlernen torwartspezifischer Techniken. Deshalb gehört auch die Fußballtechnik dazu: Sie wird im Spiel auf dem Feld entwickelt und bildet eine wichtige Grundlage für das Torwartspiel.
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2. Exzellente Basics: Sicher stehen, fangen und fallen
Die Beherrschung der Grundtechniken ist das Fundament jeder Torwartausbildung. Bevor junge Torhüter*innen mit anspruchsvolleren Schwerpunkttechniken arbeiten, sollen sie die grundlegenden Bewegungen sicher beherrschen.
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die neutrale Grundstellung,
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das Fangen flacher, halbhoher und hoher Bälle,
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das sichere Aufnehmen von Bällen und Aufsetzern,
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das Abtauchen und Abkippen,
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der Abdruck zu flachen und halbhohen Bällen,
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das Ablenken von Bällen aus unterschiedlichen Höhen.
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Die Grundstellung spielt dabei eine besondere Rolle. Aus einer guten Ausgangsposition können Torhüter*innen schneller reagieren und die passende Technik auswählen. Ziel ist eine vielseitige „Werkzeugkiste“, aus der sie je nach Spielsituation das richtige Werkzeug einsetzen können.
Das verhindert auch, dass zu früh auf einzelne Lösungen zurückgegriffen wird – zum Beispiel auf eine Fußabwehr oder eine Blocktechnik, obwohl eine sichere Fang- oder Falltechnik möglich wäre.
Die Beherrschung der torwartspezifischen Grundtechniken sollte immer die Basis bei der Ausbildung eines Torwarts sein. Bevor man in schwerpunktspezifische Techniken geht, sollten diese beherrscht werden. Damit wird verhindert, dass ein Torwart beispielsweise zu schnell zur Fußabwehr oder zu einer Blocktechnik greift
3. Spielsituationen verstehen und Entscheidungen treffen
Torwartspiel besteht nicht nur aus der eigentlichen Technik. Vor dem Fangen, Fausten oder Hechten steht immer eine Entscheidung: Wo muss ich stehen? Wie groß muss die Distanz zum Ball sein? Muss ich abwarten, aktiv zum Ball gehen oder den Raum hinter der Abwehr absichern?
Die Ausbildung legt deshalb großen Wert auf torwarttaktische Abläufe. Junge Torhüter*innen lernen, den Raum zu scannen, sich auf der richtigen Höhe zur Situation zu positionieren und die sogenannte Balllinie und Distanz zum Ball zu berücksichtigen.
Auch Abläufe wie „stehen – fallen – gehen“, die Vororientierung und eine offene Stellung helfen dabei, Spielsituationen früher zu erkennen und sicherer zu lösen. In der Raumverteidigung und im Eins-gegen-eins kommt es zusätzlich darauf an, aktiv und mutig zum Ball zu gehen. Ein wichtiger Leitgedanke lautet dabei: „Hand vor Fuß.“
4. Persönlichkeit und Präsenz: Mutig Verantwortung übernehmen
Torhüter*innen haben auf dem Platz eine besondere Rolle. Sie sehen das Spiel vor sich, organisieren ihre Mitspielerinnen und müssen auch unter Druck klare Entscheidungen treffen.
Deshalb gehören Persönlichkeit und Präsenz ausdrücklich zur Torwartförderung.
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mutig in Nahdistanz und Körperkontakt zu agieren,
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unter Gegnerdruck Entscheidungen zu treffen,
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ihre Mitspieler*innen klar und sinnvoll zu coachen,
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auch nach Fehlern handlungsfähig zu bleiben,
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ihre Emotionen zu regulieren und präsent zu bleiben.
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Präsenz bedeutet dabei nicht, ständig laut zu sein. Entscheidend ist die Qualität der Kommunikation: Kommandos sollen verständlich, rechtzeitig und hilfreich sein. So wird aus einer guten Einzelaktion ein Beitrag zum gemeinsamen Abwehrspiel.
Eine Förderung, die zum Talent und zur Region passt
Die Torwartförderung wird flexibel an regionale Bedingungen und die Bedürfnisse der Talente angepasst. Gemeinsame Ausbildungsprinzipien und der Fokus auf exzellente Basics geben dabei Orientierung. So bleibt die Förderung vor Ort individuell – und verfolgt doch ein gemeinsames Ziel.

Was Eltern wissen sollten
Eine gute Entwicklung braucht Zeit. Kinder müssen nicht schon früh jede Torwarttechnik perfekt beherrschen. Entscheidend ist, dass sie sich vielseitig bewegen, Freude am Ball haben und Schritt für Schritt Sicherheit gewinnen.

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Freude und Neugier am Fußball fördern,
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Fehler als Teil des Lernens akzeptieren,
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nicht nur gehaltene Bälle, sondern auch mutige Entscheidungen wahrnehmen,
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die Kommunikation und das Mitspielen des Kindes wertschätzen,
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Geduld mitbringen, wenn neue Bewegungen zunächst noch nicht gelingen.
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Jedes Torwarttalent soll die Chance bekommen, sich zu entdecken und gefördert zu werden. Denn Talent zeigt sich nicht nur darin, ob ein Ball gehalten wird, sondern auch darin, wie ein junger Mensch sich bewegt, lernt, entscheidet und Verantwortung übernimmt.
